Der Kreditversicherer Atradius erwartet, dass die Insolvenzen in den meisten Märkten im Gesamtjahr 2022 deutlich zunehmen werden. 2021 werden die weltweiten Insolvenzen voraussichtlich einen leichten Rückgang von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr aufweisen, gefolgt von einem starken Anstieg von 33% im kommenden Jahr.

Redakteur/in: Mag. Peter Kalab - Veröffentlicht am 11.10.2021
Heuer dürfte die Zahl der Insolvenzen aufgrund der erweiterten fiskalischen Unterstützung in vielen Märkten sowie auch teilweise bedingt durch die Fortsetzung der Insolvenzrechtsänderungen niedrig bleiben. Bis Ende 2022 erwartet Atradius dagegen, dass die Insolvenzen in den meisten beobachteten Märkten im Vergleich zum Vor-Pandemie-Niveau höher sein werden. „Damit kehren wir zur Normalität bei den Insolvenzen zurück, verstärkt noch durch einen bestimmten Anteil an Unternehmen, die 2020 vor der Insolvenz gerettet wurden“, sagt KR Franz Maier. Teilweise trage auch eine langsamere wirtschaftliche Erholung zu höheren Insolvenzen bei.
Drei Faktoren werden die Zahl der Insolvenzen im kommenden Jahr nach Einschätzung von Atradius im Wesentlichen nach oben treiben: Erstens gebe es eine verzögerte Wirkung von Insolvenzen, die unter normalen Umständen – kein Fiskalpaket, keine Insolvenzmoratorien – schon 2020 eingetreten wären. Zweitens verursache das Auslaufen der fiskalischen Unterstützungen nach und nach einen Anstieg der Insolvenzen. Dies dürfte grundsätzlich zu einem „normalen“ Niveau zurückführen, ähnlich wie in der Zeit vor der Pandemie. Der dritte Faktor ist der Effekt der wirtschaftlichen Entwicklung. Aus historischen Zusammenhängen sei bekannt, dass Insolvenzen in expansiven Konjunkturzyklen im Allgemeinen abnehmen, und zunehmen, wenn sich das Wachstum verlangsamt oder sogar zurückgeht.
Europa und die Welt
Auf regionaler Ebene erwartet Atradius in diesem Jahr einen Anstieg der Insolvenzen in Europa, während der Trend in Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum weiterhin rückläufig sein werde. In Nordamerika seien die Insolvenzen aufgrund der starken fiskalischen Unterstützung durch die USA und einer robusten Wirtschaftserholung immer noch sehr gering. Auch im asiatisch-pazifischen Raum werde die fiskalische Unterstützung relativ lange aufrechterhalten. „2022 werden die Insolvenzen in allen drei Regionen zunehmen, wobei der höchste Anstieg im asiatisch-pazifischen Raum erwartet wird und etwas geringere Zunahmen in Europa und Nordamerika erwartet werden“, so KR Franz Maier, Generaldirektor Österreich, Ungarn und Südosteuropa von Atradius. Während der Anstieg im asiatisch-pazifischen Raum 2021 von einer niedrigen Basis ausgeht, werde der Anstieg in Nordamerika durch das relativ starke US-Wachstum begrenzt. In Europa dürften die Insolvenzen im zweiten Jahr in Folge zunehmen.
Ausblick nach 2022
Nach 2022 geht Atradius davon aus, dass die Insolvenzen wieder zurückgehen oder konstant bleiben. Denn die Insolvenzquoten werden sich weitgehend normalisiert haben und sogenannte „Zombiefirmen“, die ohne Unterstützung nicht überleben können, sind bereits bankrott. „Es ist klar, dass das Auslaufen der fiskalischen Unterstützung einige Unternehmen kurzfristig vor Herausforderungen stellen könnte, da sie wieder in einem Umfeld ohne nennenswerte staatliche Unterstützung agieren müssen“, sagt Maier. Einige Firmen seien besonders anfällig, da sie höhere Schulden aufgenommen hätten, um die Corona-Pandemie zu überstehen.
Bild oben: © lev dolgachov – stock.adobe.com
zurück zur Übersicht
Beitrag speichern
sharing is caring
Das könnte Sie auch interessieren