Die Gesamtperformance der überbetrieblichen Pensionskassen lag für das erste Quartal 2021 bei 2,01%. Eine aktuelle Analyse des Beratungsunternehmens Mercer zeigt, dass die APK und die BONUS Pensionskasse jeweils zwei erste Plätze belegen.

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 10.06.2021
„Zusammenfassend konnten wir einen guten Start in das erste Quartal miterleben. Aktien sind sehr gut aus den Startblöcken herausgekommen und gehören zu den größten Gewinnern des Quartals“, erklärt Michaela Plank, Expertin für Betriebliche Vorsorge und Geschäftsführerin bei Mercer Österreich. Die Assetklasse Renten, die im Verlauf der Pandemie und durch die stark expansive Geldpolitik der Notenbanken auf einen Tiefststand gefallen war, verharrten weitestgehend auf den niedrigen Niveaus. Ab März war jedoch, ausgehend von den USA, ein Anstieg der Renditen für Anleihen mit längeren Laufzeiten zu beobachten, allerdings ist weiterhin von historisch niedrigen Niveaus auszugehen.
Dies hat auch die Mehrheit der Pensionskassen dazu veranlasst, in den jeweiligen strategischen Ausrichtungen 2021 den Anteil an Private Markets zu erhöhen, um der noch länger andauernden Niedrigzinsphase entgegenzuwirken. Für die nächsten Monate sind die Rahmenbedingungen für eine gute Konjunkturentwicklung weiter günstig, wobei die Entwicklung der Kapitalmärkte auch stark von den amerikanischen Notenbanken abhängen wird.
Akzeptables Ergebnis der Vorsorgekassen
Auch die Vorsorgekassen konnten für das erste Quartal 2021 eine solide Performance in der Höhe von 0,95% erwirtschaften. Die APK konnte sich als Gewinnerin im ersten Quartal 2021 herauskristallisieren. Sie erwirtschaftete 1,19% (allerdings mit einer konservativen Veranlagungsstrategie – das heißt, einem höheren Aktienanteil). Im Bereich der marktüblichen defensiven Veranlagung liegt die BUAK Vorsorgekasse mit 1,11% vor der fair-finance Vorsorgekasse mit 1,07% und der Valida VG2 mit 1,04%. Das lässt auf ein erneutes knappes Rennen zwischen den Vorsorgekassen um die beste Performance schließen, diese ist jedoch aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen keineswegs zufriedenstellend.
„Abfertigung Neu“ weiterhin durch enge Veranlagungsrichtlinien begrenzt
Da die Betrieblichen Vorsorgekassen eine Kapitalgarantie gewähren müssen, können die bis dato einbezahlten Beiträge für die Berechtigten nicht weniger werden. Zwar ist der wesentliche Parameter der Betrieblichen Vorsorgekassen – die Bruttobeitragsgarantie –kurzfristig ein geeignetes Instrument um Schwankungen abzufedern, langfristig hemmt die Garantie durch die risikoaverse Veranlagung jedoch gute Performanceergebnisse, welche für den Berechtigten auf der Kontoinformation jedes Jahr ersichtlich ist. Diese zu gewährende Garantie stellt auch die Betrieblichen Vorsorgekassen aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfeldes vor gewisse Herausforderungen. Gefordert ist daher eine Reform der Betrieblichen Vorsorgekassen, vor allem in Richtung Erweiterung der Behaltedauer von aktuell drei Jahren auf zehn Jahre mit gleichzeitiger Ausweitung der Veranlagungsgrenzen und dem optionalen Verzicht auf die Garantie. Relativ kurzfristig könnte die Ausweitung der Veranlagungsgrenzen umgesetzt werden – dies würde den Vorsorgekassen helfen, dem Thema „Garantie“ wieder optimistischer gegenüber zu stehen. Mercer hat dazu eine Simulation erstellt, die zeigt, dass die Ausweitung der Veranlagungsgrenzen laut BMSVG (Betriebliche Mitarbeiter- und Selbständigenvorsorgegesetz) schon bei gleichem Risiko einen wesentlich höheren Performancebeitrag mit sich bringt.
„Im Vergleich zu den aktuellen Restriktionen aus der BMSVG sind durch die Öffnung der Veranlagungsgrenzen Effizienzgewinne möglich“, erklärt Angelika Delen, Head of Investment Consulting, SRI & Impact Solutions, bei Mercer Österreich. „Grundsätzlich sehen wir nicht nur einen Bedarf an Veränderung der Veranlagungsgrenzen, auch das Thema Nachhaltigkeit findet derzeit keinerlei Erwähnung im BMSVG. Man könnte damit zwei enorm wichtige Bereiche im BMSVG aktualisieren.“
Dabei steht nicht die Ausweitung der Aktienquote im Vordergrund, sondern die Erweiterung der Alternatives, genauer gesagt der Private Markets und der Immobilien, um einen Ausgleich des nicht vorhandenen Performancebeitrages im Anleihenbereich zu generieren. Aktuell liegt der Schnitt der Vorsorgekassen über 3 bis 10 Jahre nur bei rund 2%.
„Die Ausweitung der Veranlagungsgrenzen ergibt auch bei gleichem Risiko einen wesentlich höheren Ertrag. Dies hilft auch den Vorsorgekassen bei der Einhaltung der gesetzlich verpflichtenden Garantie“, so Plank.
Eine Öffnung des Veranlagungshorizonts analog zur Pensionskassenveranlagung wäre daher wünschenswert, um das System der Vorsorgekassen auch performancemäßig attraktiver und flexibler zu gestalten.
Bild: ©beeboys – stock.adobe.com
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