Die österreichischen KMU beurteilten in den letzten sechs Monaten ihre Geschäftslage wieder positiver und die Geschäftserwartungen sind zuversichtlicher als im Vergleichszeitraum 2020. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung im Frühjahr 2021.

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 16.06.2021
Die Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung hat im Frühjahr 2021 an die 1.500 österreichische Klein- und Mittelunternehmen nach der aktuellen Wirtschaftslage und den Ausblicken für die kommenden sechs Monate befragt. Das Ergebnis des Creditreform Klimabarometers liegt mit plus 4 Punkten deutlich – und zwar um 6 Zähler – über dem Vorjahreswert (minus 2,0 Punkte) und damit wieder im positiven Bereich. In allen Hauptwirtschaftsbereichen mit Ausnahme der Dienstleistungsbranche ist der Index positiv. Die Dienstleistungen bleiben mit minus 10,7 Punkten im tiefroten Bereich. Der Handel kämpft und bleibt knapp positiv. Die Baubranche und das Verarbeitende Gewerbe (Industrie) sind bereits (fast) auf Vorkrisenniveau angelangt.
Das Creditreform Klimabarometer setzt sich zusammen aus den Einschätzungen der Befragten zum eigenen Betrieb, zur eigenen Branche sowie zur konjunkturellen Lage allgemein. Dabei fließen in die Gesamtbewertung des Konjunkturklimas sowohl die Äußerungen zur aktuellen Lage als auch zur zu-künftigen Entwicklung ein. Aus den positiven und negativen Antworten werden jeweils Salden gebildet, die wiederum die Berechnungsgrundlage für den Gesamtindex bilden. Das Klimabarometer zielt in erster Linie auf die Stimmung im österreichischen Mittelstand ab.
Auftragserwartungen wieder positiv
Eine Erholung der Auftragsentwicklung halten viele Unternehmen für realistisch. So beträgt der Erwartungssaldo aus steigenden und sinkenden Aufträgen plus 1,1 Prozentpunkte und hat im Vergleich zum Vorjahr (minus 11,9 Prozentpunkte) zugelegt. Mit Auftragssteigerungen rechnen 24,1% der Befragten (Vorjahr: 19,2%), während 23% (Vorjahr: 31,1%) Auftragsrückgänge befürchten.
Einen positiven Erwartungssaldo erzielten das Verarbeitende Gewerbe mit plus 18,9 Prozentpunkten (Vorjahr: minus 29,0 Prozentpunkte) und die Bauwirtschaft mit plus 13,8 Prozentpunkten (Vorjahr: plus 9,3 Prozentpunkte). Wenig Vertrauen in den künftigen Konjunkturverlauf haben die Branchen Dienstleistung (minus 10,0 Prozentpunkte; Vorjahr: minus 7,6 Prozentpunkte) und Handel (minus 4,9 Prozentpunkte; Vorjahr: minus 18,3 Prozentpunkte).
Mehr als jedes 4. Unternehmen rechnet mit steigenden Umsätzen
Ihre künftige Umsatzlage beurteilen die befragten Betriebe heuer mit deutlich mehr Zuversicht als noch vor einem Jahr. Der Saldo aus steigenden und sinkenden Umsätzen erreichte plus 3,7 Prozentpunkte – nach minus 12,4 Prozentpunkten im Frühjahr 2020. So rechnen aktuell 26,7% der Mittelständler (Vorjahr: 19,2%) mit einem höheren und 23% (Vorjahr: 31,6%) mit einem geringeren Umsatzaufkommen.
Einen positiven Erwartungssaldo haben die Branchen Bau (plus 22,5 Prozentpunkte; Vorjahr: plus 1,3 Prozentpunkte) und Verarbeitendes Gewerbe (plus 20,0 Prozentpunkte; Vorjahr: minus 27,7 Prozentpunkte). Bei beiden Wirtschaftsgruppen rechnet rund jeder Dritte – 32,5% (Vorjahr: 21,3%) bei der Bauwirtschaft und 34,4% (Vorjahr: 15,7%) beim Verarbeitenden Gewerbe – mit Umsatzsteigerungen. Beim Handel (minus 0,8 Prozentpunkte; Vorjahr: minus 15,5 Prozentpunkte) und bei der Dienstleistungsbranche (minus 10,6 Prozentpunkte; Vorjahr: minus 8,2 Prozentpunkte) sind per Saldo keine Umsatzzuwächse zu erwarten.
Mehr Jobs im Bau und in der Industrie
Anders als im Vergleichszeitraum 2020, wo jedes 5. Unternehmen Personal abgebaut hat, dürfte in den nächsten Monaten die Zahl der Beschäftigten in den mittelständischen Unternehmen steigen. Der Erwartungssaldo beträgt heuer plus 7,4 Prozentpunkte (Vorjahr: minus 4,4 Prozentpunkte). Ihr Personal aufstocken möchten 20,9% der Betriebe (Vorjahr: 15,2%), während 13,5% (Vorjahr: 19,6%) mit Personalrückgängen rechnen.
Alle vier Hauptwirtschaftsbereiche haben einen positiven Erwartungssaldo aus mehr und weniger Personal. Die meisten Neueinstellungen planen die Bauunternehmen – hier beträgt der Anteil 30% (Vorjahr: 26,7%). Beim Verarbeitenden Gewerbe denken überdurchschnittlich viele Betriebe über zusätzliche Arbeitsplätze nach (26,7%; Vorjahr: 6%). Die meisten Personalrückgänge gibt es voraussichtlich bei der Dienstleistungsbranche (18,9%; Vorjahr: 23,3%) und die wenigsten beim Baugewerbe (8,8%; Vorjahr: 10,7%).
Rasanter Aufschwung scheint möglich
Die heimische Wirtschaft scheint sich schneller als noch vor ein paar Wochen erwartet. Eine steile V-förmige Konjunkturentwicklung und ein rasanter Aufschwung scheint möglich. Das bestätigen auch die hier befragten Unternehmen. Bemerkenswert ist, dass die Erwartungen die tatsächliche Lage übertreffen. Das Ende des Lockdowns, historisch wenige Insolvenzen, der Impfturbo und rückläufige Infektionen haben wieder das Vertrauen in die Wirtschaft gebracht. Über 51% wollen nun auch wieder investieren, um satte 5 Prozentpunkte mehr als noch vor der Krise. Tu Felix Austria.
Bild: ©nateejindakum – stock.adobe.com
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