Die Energiewende ist in vollem Gange. Unternehmen stehen unter Druck, ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren und nachhaltige Energiequellen zu nutzen. Die Installation von Solaranlagen auf Betriebsgebäuden bietet eine hervorragende Möglichkeit, diesen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig die laufenden Energiekosten zu senken. Doch neben den Vorteilen gibt es auch Risiken, die Unternehmen berücksichtigen sollten. Hier kann die Zusammenarbeit mit spezialisierten Versicherern und deren Risikoingenieuren einen erheblichen Mehrwert über die reine Versicherungspolizze hinaus bieten.
Artikel von:

Stefan Rossa
Head of Property, Construction & Energy Austria & CSEE

René Forsthuber
Senior Account Consultant Property, AXA XL
Aus einer Vielzahl von Gründen entscheiden sich immer mehr Unternehmen für die Nutzung von erneuerbaren Energien. Dank des technologischen Fortschritts sind Photovoltaik (PV)-Module effizienter und erschwinglicher geworden, wodurch die Entscheidung von Unternehmen zunehmend sinnvoll erscheint, in Solarenergie zu investieren.
Trotz der Vorteile birgt die Installation von Solaranlagen auf Dächern von Betriebsgebäuden erhebliche Risiken, die sich nicht ausschließlich auf mangelhafte Durchführung beschränken. Aus diesem Grunde mehren sich die Diskussionen zwischen Kunden, Maklern und Versicherern, ob es sich bei der Installation von PV-Anlagen um eine meldepflichtige Gefahrenerhöhung handelt. Wie bei anderen umfangreichen Veränderungen ist ein enger Austausch mit dem jeweiligen Versicherer sinnvoll, um Unklarheiten hinsichtlich einer möglichen Veränderung des Risikoprofils und gegebenenfalls resultierende Deckungslücken zu vermeiden.
Spezifische Risiken
Brandgefahr:
- Bei unsachgemäßer Installation oder Verwendung fehlerhafter Komponenten kann es z.B. durch defekte Sicherungen oder Überlastung zu Bränden kommen. Korrosion von Kabeln und Verbindungen ist eine häufige Ursache für Lichtbögen und Brände.
- Auch bei fachgerechter Installation von PV-Modulen und deren elektrischen Komponenten kann ein erhöhtes Brandrisiko entstehen, da typische Dächer nur begrenzt für elektrische Installationen ausgelegt sind. Bei Installation einer PV-Anlage kommen Kabel, Verteilerkästen, Wechselrichter und Steuergeräte hinzu, die ausfallen oder überhitzen und Brände verursachen können.
- Werden Solarmodule oder Wechselrichter nicht ausreichend belüftet, kann es zu einem Wärmestau kommen, der bei großer Nähe zu brennbaren Dachmaterialien wie Bitumen, Wärmedämmungen oder Holz zu einem Brand führen kann.
- Hinzu kommen äußere Einflüsse wie Blitzschlag, von Tieren angenagte Kabel sowie zusätzliche Brandlasten durch Laub oder Vogelnester.
- Viele der Batteriespeichersysteme verwenden Li-Ionen-Batterien. Diese stellen nicht nur eine Brand-, sondern auch eine Explosionsgefahr dar. Die eintreffenden Feuerwehren sollten mit den Gefahren vertraut sein, die diese Anlagen darstellen können. Wir empfehlen, diese stationären Systeme physisch von angrenzenden Bereichen feuerbeständig zu trennen ‒ vor allem Produktions- und Lagerbereiche.
Einschränkungen der Brandbekämpfungsmöglichkeiten:
- Da eine frühzeitige und automatische Branderkennung aufgrund fehlender Rauchmelder auf Dächern nicht gegeben ist, beginnen Brandbekämpfungsmaßnahmen oft erst spät.
- Es ist darauf zu achten, dass PV-Anlagen bereits bestehende Brandabschnitte nicht überbrücken, somit deren Wirkung aufheben und eine unkontrollierte Brandausbreitung zur Folge haben können.
- Anders als im Gebäudeinneren gibt es auf den Dächern keine Sprinkleranlagen, die sofort mit der Brandbekämpfung beginnen können.
- Die räumliche Anordnung der oft großflächig installierten PV-Module kann den Zugang für die Feuerwehr erschweren.
- Auch im ausgeschalteten Zustand erzeugen PV-Module bei Tageslicht Strom, was die Gefahr eines Stromschlags erhöht.
- Aufgrund der leitfähigen Eigenschaften ist der Einsatz von Löschwasser oder Löschschaum problematisch. Spezielle Löschtechniken (z.B. Sprühstrahl statt Vollstrahl) sind notwendig, um die Stromschlaggefahr zu reduzieren.
- Bei Gebäudebränden öffnet die Feuerwehr häufig das Dach, um Rauch und Hitze abziehen zu lassen. Diese Option kann durch installierte PV-Anlagen stark eingeschränkt werden.
- Eine weitere Gefahr für die Einsatzkräfte ist das Einatmen von hochkorrosiven Dämpfen und Gasen, die von brennenden Solarbatterien erzeugt werden.
Bauliche Risiken:
- Solaranlagen können das Gesamtgewicht auf dem Dach so stark erhöhen, dass es zu statischen Problemen kommen kann, wenn die Gebäudestruktur nicht darauf ausgerichtet ist. Im Brandfall kann die Belastung durch den massiven Einsatz von Löschmitteln die Dachlast weiter erhöhen und zu strukturellen Schäden bis hin zum Einsturz führen.
- Sind die Solarmodule nicht ausreichend verankert, können sie durch starke Winde und Stürme abgerissen werden und eine Gefahr für umliegende Gebäude oder Personen darstellen.
- Schnee kann sich in großen Mengen auf den Solarmodulen ansammeln und durch das zusätzliche Gewicht die Dachkonstruktion überlasten.
- Abrutschender Schnee von glatten Modulflächen kann zu Dachlawinen führen, die eine Gefahr für Gebäude und Personen darstellen können.
Betriebsunterbrechung:
- Ein Ausfall der Solaranlage kann zu Störungen in der Energieversorgung des Gebäudes führen, wenn keine entsprechenden Vorkehrungen getroffen wurden.
- Weitaus gravierender kann sich ein aus den genannten Gründen entstehender oder schwerer zu löschender Brand auswirken, der zu Betriebsunterbrechungen durch beschädigte oder zerstörte Waren und Produktionsanlagen führt.
- Können die betrieblichen Prozesse nicht wie geplant fortgeführt werden, drohen Umsatzeinbußen und weitere finanzielle Schäden, z. B. durch Vertragsstrafen oder den Verlust von Kunden und Reputation, in schweren Fällen können die Auswirkungen sogar existenzbedrohend sein.
Risikominderung bei der Umstellung auf Solarenergie
Die gute Nachricht ist, dass sich ein Großteil der beispielhaft dargestellten Risiken durch planvolles Vorgehen und die Zusammenarbeit mit Behörden, örtlichen Feuerwehren und spezialisierten Versicherern deutlich reduzieren lässt. Dies gilt sowohl für Neubauten als auch für die Nachrüstung bereits genutzter Betriebsgebäude.
Wir von AXA XL unterstützen unsere Kunden bei der Energy Transition beispielsweise bereits in der Planungsphase, um typische Gefahren zu vermeiden – auch solche, die vom Gesetzgeber noch nicht oder noch nicht vollständig adressiert werden. Darüber hinaus stehen wir in ständigem Austausch mit lokalen Institutionen, bei uns in Österreich zum Beispiel mit der Brandverhütungsstelle BVS. Durch unser globales AXA XL Risk Consulting Netzwerk können wir unsere Kundinnen und Kunden auch weltweit unterstützen, indem wir sie nicht nur auf Schwachstellen aufmerksam machen, sondern auch gemeinsam mit ihnen Lösungen entwickeln.
Im Folgenden erläutern wir einige Maßnahmen, die Unternehmen bei der Umstellung auf Solarenergie ergreifen können, um damit ihr Risikoprofil auch langfristig unter Kontrolle zu halten:
- Eine umfassende Risikoanalyse vor der Installation ist unerlässlich. Auch Unternehmen, die bei ihren aktuell geplanten Neubauten oder Dachsanierungen (noch) keine Solaranlagen vorsehen, sollten auf die Solartauglichkeit achten, damit eine spätere Umstellung nicht zu unnötigen Mehrkosten führt, die erheblich sein können.
- In Zusammenarbeit mit den Risikoingenieuren des Versicherers können Unternehmen die baulichen und technischen Erfordernisse des jeweiligen Gebäudes angemessen berücksichtigen und sicherstellen, dass alle Vorschriften und Best-Practice-Ansätze berücksichtigt werden.
- Besonderes Augenmerk sollte bei der Dachkonstruktion auf die Verwendung nichtbrennbarer Materialien, die Einrichtung von thermischen Barrieren, den Schutz vor Hagel und Blitzschlag sowie auf die Beschaffenheit der vorhandenen Bausubstanz und die Ermittlung ihrer Restlebensdauer gelegt werden. Die erwartete Lebensdauer einer PV-Anlage beträgt mindestens 20 Jahre, und eine Nachrüstung oder Reparatur des Daches nach der Installation der Anlage kann schwierig und somit kostspielig sein.
- Sämtliche Komponenten wie Kabel, Kabelverbindungen und Verteilerkästen müssen den speziell für Photovoltaik geltenden Normen entsprechen. Diese entwickeln sich ständig weiter, da immer mehr Erfahrungen mit dieser relativ neuen Technologie gesammelt werden.
- Wechselrichter sollten in feuerbeständig abgetrennten Räumen mit ausreichender Belüftung installiert werden. Im Freien installierte Wechselrichter sollten vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein und mindestens die Schutzart IP64 aufweisen.
- Es sollten nur zertifizierte Dienstleister mit den Tätigkeiten beauftragt werden.
- Bereits in der Planungsphase sollte ein Austausch mit den örtlichen Feuerwehren stattfinden, um die Gefährdung der Einsatzkräfte im Fall der Fälle so gering wie möglich zu halten und die Brandbekämpfungsmaßnahmen optimal zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem geeignete Zugänge, Anschlüsse und Sicherheitsabstände.
- Photovoltaikanlagen sollten nicht auf Dächern installiert werden, die für die Feuerwehr nicht zugänglich sind, z.B. bei Gebäuden mit einer Höhe von mehr als 20 Metern ohne sicheren Zugang zum Dach. Wenn genügend Platz vorhanden ist, sind in solchen Fällen bodenmontierte Systeme den Dachanlagen vorzuziehen.
- Wartungs- und Inspektionspläne sind sehr wichtig, da einige Gefahren erst im Laufe der Zeit auftreten.
Die beispielhaft dargestellten Maßnahmen dienen der Verbesserung der Risikosituation von Unternehmen, die sich für den Umstieg auf Solarenergie entschieden haben. Unsere Risikoingenieure von AXA XL haben einen spezifischen Leitfaden mit einem deutlich höheren Detaillierungsgrad entwickelt, um unsere Kunden auf diesem Weg bestmöglich begleiten zu können. Dies gilt auch für die Risikominderung bei bereits eingebauten Systemen, bei denen wir sie mit einfachen und praktikablen Lösungen unterstützen können.
Gemeinsam gelingt die grüne Transformation
Immer mehr Unternehmen entscheiden sich für Solaranlagen auf ihren Dächern. Die damit verbundenen Risiken sind vielfältig. Durch ein planvolles Vorgehen und die Zusammenarbeit mit Behörden, lokalen Feuerwehren und spezialisierten Versicherern können diese deutlich reduziert werden, so dass eine sichere und nachhaltige Energielösung für Unternehmen gelingen kann.
Wir von AXA XL unterstützen unsere Kunden gerne bei diesem wichtigen Schritt im Rahmen der Energiewende und stehen ihnen mit unserer langjährigen Erfahrung in diesem Bereich kompetent zur Seite.
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