KR Horst Grandits, Bundesgremialobmann der Versicherungsagenten, spricht über die Herausforderungen durch bürokratische Hürden, das geplante Provisionsverbot der EU und die Notwendigkeit einer praxisorientierten Regulierung für Versicherungsvermittler.

Redakteur/in: Kerstin Quirchtmayr - Veröffentlicht am 20.02.2025
KR Horst Grandits sieht die zunehmende Bürokratie als eine der größten Herausforderungen für Versicherungsvermittler. „Die enorme administrative Belastung durch Dokumentations- und Berichtspflichten nimmt wertvolle Zeit in Anspruch, die eigentlich der Kundenberatung gewidmet sein sollte. Besonders die Anforderungen der IDD mit ihren umfangreichen Beratungsprotokollen und zusätzlichen Unterlagen erschweren den Arbeitsalltag erheblich.“
Zusätzlich seien nationale Vorschriften, wie die Gewerbeordnung und geldwäscherechtliche Verpflichtungen, eine immense Herausforderung, insbesondere für kleinere und mittlere Betriebe. „Wir fordern daher einen Abbau dieser bürokratischen Hürden und eine stärkere Orientierung an praxistauglichen Lösungen, die die Vermittler entlasten, ohne den Verbraucherschutz zu gefährden“, so Grandits abschließend.
Provisionsverbot der EU – Eine Bedrohung für die Versicherungsberatung
Ein weiteres drängendes Thema ist das geplante Provisionsverbot der EU, das Grandits als Gefahr für das bestehende Geschäftsmodell bewertet. „Ein Provisionsverbot würde die Struktur der Versicherungsvermittlung in Österreich grundlegend verändern. Einkommensschwächere Kunden hätten kaum noch Zugang zu einer umfassenden Beratung, da diese ausschließlich über Honorare finanziert werden müsste – für viele nicht leistbar. Dadurch würden sie auf wichtige Entscheidungsgrundlagen und Absicherungen verzichten.“
Darüber hinaus hätte ein solches Verbot tiefgreifende Auswirkungen auf unabhängige Vermittler wie Makler, die ihr Geschäftsmodell vollständig umstellen müssten. „Wir lehnen ein Provisionsverbot entschieden ab, da es die Wahlfreiheit der Kunden und die Vielfalt des Marktes massiv einschränken würde“, unterstreicht Grandits.
Verantwortung der Branche und Standesvertretung
Neben der Pflicht, gesetzliche Vorgaben einzuhalten, sieht Grandits auch die Politik in der Verantwortung, praktikable Rahmenbedingungen zu schaffen. „Es trifft die Branche natürlich die Verpflichtung und Verantwortung, die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen und dabei höchste Standards in der Kundenberatung zu gewährleisten. Gleichzeitig muss die Politik sicherstellen, dass diese Anforderungen umsetzbar bleiben.“
Die Standesvertretung spielt dabei eine zentrale Rolle, indem sie Interessen vertritt und praxisnahe Lösungen aufzeigt. Ein bedeutender Erfolg im Jahr 2024 war die Einführung einer umfangreichen Mustersammlung. „Diese Sammlung enthält zahlreiche Vorlagen, Leitlinien und DSGVO-konforme Dokumente, die den administrativen Aufwand unserer Mitglieder deutlich erleichtern“, erläutert Grandits.
Regulierungen – Die richtige Balance finden
Effektive Regulierungen sollten in enger Zusammenarbeit mit der Branche entstehen. „Die Balance liegt in der Zusammenarbeit: Regulierungen sollten im Dialog mit der Branche entwickelt werden, um sicherzustellen, dass sie einerseits den Verbraucherschutz stärken und andererseits für Vermittler praktikabel bleiben“, erklärt Grandits.
Er verweist auf die IDD, die zwar sinnvolle Standards setzt, aber durch übermäßige Bürokratie an Effektivität verliert. „Wir plädieren dafür, das Prinzip der Verhältnismäßigkeit konsequent anzuwenden und bei neuen Regularien die Umsetzbarkeit für kleine und mittelgroße Vermittler mitzudenken.“
Bürokratieabbau als Zukunftswunsch
Zum Abschluss formuliert Grandits seinen größten Wunsch für die Branche: „Unsere Forderung ist es, dass die Flut der Regulierungen auf ein praxistaugliches Niveau reduziert wird und nicht nur immer neue Regelungen hinzukommen.“ Nur so könne sichergestellt werden, dass Vermittler sich wieder verstärkt ihrer Kernaufgabe, der Kundenberatung, widmen können.
Dabei hebt er hervor, dass Bürokratieabbau nicht auf Kosten des Verbraucherschutzes gehen dürfe. „Bürokratieabbau bedeutet nicht, den Verbraucherschutz zu vernachlässigen, sondern ihn effizient und zielgerichtet zu gestalten.“ Besonders bei Kleinstverträgen sei eine Erleichterung erforderlich. „Hier unterliegen Vermittler bei geringen Jahresprämien demselben Dokumentationsaufwand wie bei großen Verträgen. Eine angemessene Balance zwischen Aufwand und Nutzen wäre dringend geboten.“
Foto oben: KR Horst Grandits, Bundesgremialobmann der Versicherungsagenten
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